Online Shop vs. eigenes Geschäft

Kuchenfrau

Möglicherweise bist du gerade an dem Punkt, wo du überlegst, ob du ein echtes Geschäft oder einen Online Shop eröffnen solltest. Da ich beide Varianten erlebt habe, möchte ich dir hier einen Überblick über die Vor- und Nachteile geben. Ich versuche dabei, so objektiv wie möglich zu sein 🙂

Investition

Ein eigenes Geschäft will erst einmal gemietet oder gekauft werden. Die Einrichtung wie Tische, Vitrinen, Regale usw. darf man je nach Größe des Geschäfts nicht außer Acht lassen. Damit man den ganzen Tag im Geschäft verbringen kann, braucht es natürlich auch ein stilles Örtchen, Wasser und am besten noch eine Möglichkeit, sich Essen zumindest aufzuwärmen, denn sonst wird der tägliche Besuch im Restaurant nebenan schnell teurer als die Miete selbst oder die kalte Wurstsemmel schnell fad.

Wenn du noch ein Schaufenster hast, will wohl überlegt sein, wie du dieses gestaltest, denn jeder kennt verstaubte Schaufenster, die im Juni noch mit den Halloweenkürbissen von letztem Jahr dekoriert sind. Ein Schaufenster sollte lebendig wirken, sich laufend ändern und den Besucher in deinen Bann ziehen. Das kann natürlich auch viel Spaß machen, hat bei Vernachlässigung aber direkt negative Auswirkungen.

Vor Kurzem war ich einmal in einem Geschäft, das 2 Monate zuvor neu eröffnet hatte. Die Regale waren fast leer, in jedem Regal stand nur das Nötigste. Es sah eher aus, als würde hier bald für immer zugesperrt werden. Deshalb muss in einem eigenen Geschäft von Beginn an dafür gesorgt werden, dass die Regale nur so übersprudeln vor Produkten, die man bestaunen und in denen man stöbern kann. Das bedeutet natürlich auch höhere, anfängliche Investitionskosten.

Ein Online Shop ist da schon pflegeleichter. Die Kosten für Hosting und Domain können vernachlässigt werden. Die Erstellungskosten für einen Shop sind ebenso sehr gering, wenn du ihn selbst baust (wobei ich dir gerne helfe), einzig und allein Zeit (und Freude daran) ist dafür nötig.

Außerdem hat der Shop den Vorteil, dass du mit wenigen Produkten anfangen kannst und den Shop über Monate und Jahre hinweg ausbauen kannst. Manche Großhändler, bei denen du Produkte einkaufst, stellen sogar Produktfotos zur Verfügung. So kannst du Produkte anbieten, die du erst in größeren Mengen kaufst, sobald sie Endkunden bei dir gekauft haben. Damit gibt’s soetwas wie Ladenhüter eher selten.

Tratsch & Klatsch

Leute reden gerne, am liebsten auf dich drauf. Hast du dein eigenes Geschäft, dann muss dir das klar sein, du musst damit umgehen können, es darf dich nicht grantig machen, deine Muttersprache muss Smalltalk und sehr oft sogar “Krankheits-Talk” sein. Du musst ein guter Zuhörer sein und dich für Probleme anderer Menschen interessieren (= ein Altruist sein). Denn viele Menschen betreten ein Geschäft, quatschen 30 Minuten auf dich ein und kaufen dann ein Mitbringsel für 1,50. Du bist zwar so oder so da, weil du ja den ganzen Tag im Geschäft stehen musst, hättest in dieser Zeit aber genauso gut neue Produkte austüfteln oder die Buchhaltung machen können. Ich persönlich finde das enorm unwirtschaftlich. 

Edelstein Geschäft Eva WimmerAls ich meinen Edelstein Shop einige Monate als echtes Geschäft geführt habe, um auszuprobieren, wie mir das gefällt, hatte ich die kuriosesten Begegnungen. Ein Mann kam (natürlich ohne Klopfen) herein und in den ersten 5 Sekunden hatte ich erfahren, dass er 2 Jahre im Koma lag, seine Frau krank ist und sein Hund beim Tierarzt war, weshalb er Zeit für einen Spaziergang hatte, was ihn zu mir führte.

Ein gewisser Schlag von Menschen tut sowas ganz automatisch. Selbst, wenn ich mir morgens vom Bäcker eine Nussschnecke hole, krieg ich die Furunkel und Todesfälle von Familie XY gratis mit dazu. Oder wenn ich mit meinem Hund Ylvi gassi gehe, ist das erste, was sie interessiert (nach dem typischen “Is des a Mandal oder a Weiberl?”), “bei welchem Tierarzt mein Hund ist”… ?! Und dann brauche ich garnicht fragen, würde ich auch niemals tun, und bekomme die Krankheitsgeschichte des Hundes vom letzten Quartal aufgelistet.

Es scheint, als würde überall dort, wo gewartet wird oder eine Begegnung kein fixes Ende vorgibt, über Krankheiten geredet werden. Die Gespräche werden irrational anstatt fokussiert, die Zeit wird unproduktiv genutzt. Komisch. Ich hab keine Ahnung, warum das so ist, aber ich werde noch weiter darüber nachdenken, vielleicht entsteht ja ein Blogartikel zu diesem Thema.

Das alles bleibt dir mit einem Shop erspart. Der Nachteil ist, dass du die freudigen Momente, wenn jemand dein Produkt auspackt, anprobiert oder feierlich in Händen hält, nicht mitbekommst. Produktbewertungen oder Bewertungen deines Shops bzw. die Kommunikation mit deinen Kunden auf Facebook können dir jedoch einen Eindruck davon vermitteln, wie zufrieden deine Kunden sind und da kommt auch schon so manches Gefühl rüber 🙂

Produktivität

Als ich mein eigenes Geschäft betrieben habe, hab ich versucht, nebenher produktiv zu sein. Es hat nicht so recht funktioniert. Zu wissen, dass jederzeit die Tür auffliegen kann und ich in meinen Gedanken und Tüfteleien unterbrochen werde, erstickte die Kreativität schon im Keim. Und hab ich es dann doch einmal geschafft, flog wirklich die Tür auf. Die Leute klopfen ja auch nicht an, obwohl mein Geschäft eher den Charakter eines Büros hatte, also einfach eine undurchsichtige Tür ohne Schaufenster. Das hinderte die Menschen nicht daran, einfach reinzustürmen und mir in den ersten 3 Sekunden von ihrem kranken Hamster zu erzählen.

Ich möchte hier keineswegs menschenfeindlich wirken. Ich glaube nur, dass ein Geschäft, in das man einfach reinkommen kann, weil man eh niemanden stört, da dort drin ja nur alle untätig auf einen warten, kein fruchtbarer Boden für Produkte von Wert ist.

Ich glaube, ein Online Shop bietet mehr Spielraum für Produktivität, weil man viel Ruhe und Zeit hat, sich neue Produkte zu ertüfteln, nicht mit Smalltalk beschäftigt ist und ungestört kreativ sein kann.

Freiheit

Nach langem hin und her hab ich mich dazu durchgerungen, Öffnungszeiten zu veranschlagen, die ich genau 1 Tag durchgehalten habe. Ich weigerte mich letztendlich dagegen, mich von meinem eigenen Geschäft einsperren zu lassen, weshalb ich ein Schild vor die Tür gestellt habe, wenn ich da war. Was natürlich für den Kunden nicht optimal ist, da er erst hinfahren muss, um zu schauen, ob wer da ist. Völliger Blödsinn also 🙂 Damit war für mich die Sache “eigenes Geschäft” abgehakt.

Es kommt natürlich darauf an, wie wichtig dir deine Freiheit ist und ob du extra selbständig wirst, damit du dann der Sklave deiner eigenen Öffnungszeiten bist. Mit Angestellten natürlich kein Problem, aber was machst DU dann? Wenn du in dieser Zeit Besseres vor hast, warum dann überhaupt ein Geschäft eröffnen?

Soziale Kontakte

Auch hier gewinnt meiner Meinung nach der Online Shop. Denn in einem echten Geschäft werden dir die sozialen Kontakte aufgezwungen, jeden einzelnen Tag. Es kann sein, dass dir das nichts macht, weil du ein extrovertierter Mensch bist und dir solche Kontakte Energie geben (wohingegen sie introvertierten Menschen Kraft kosten). Dann ist das auf jeden Fall ein Vorteil für dich.

Ein Shop kann dagegen, wenn du ihn alleine betreibst, sehr isoliert wirken, jedoch bietet er dir ja trotzdem die Möglichkeit, aufgrund deiner Freiheit, freiwillige Sozialkontakte außerhalb des Shops zu pflegen. Oder du veranstaltest zum Beispiel themenrelevante Workshops für deine Kunden aus dem Umkreis, wann du es möchtest.

Umsatz

Mit einem Online Shop erreichst du die ganze Welt, was deinen Umsatz dementsprechend enorm erhöht. Mit einem Geschäft nur den unmittelbaren Umkreis.

Mit einem Shop hast du die Möglichkeit, mehr als nur ein Vollzeiteinkommen mit Teilzeitarbeit zu verdienen. Das bietet dir zudem noch einen weiteren wirtschaftlichen Vorteil, nämlich, dass du mehr AM Business statt IM Business arbeiten kannst. In einem Geschäft stehst du, versklavt von deinen eigenen Öffnungszeiten schon mal Vollzeit herum… und musst NEBENHER noch AM Geschäft arbeiten zB. neue Produkte heranschaffen, Händler finden, irgendetwas organisieren, die Buchhaltung machen, etc.

Die objektive Wahrheit

Ein Online Shop ist objektiv produktiver, freier, unternehmerischer und wirtschaftlicher, als ein echtes Geschäft. Natürlich kann man auch beides miteinander verbinden, oder ein existierendes Geschäft um einen Online Shop erweitern.

Subjektiv betrachtet hängt es natürlich auch immer davon ab, wie deine Persönlichkeit gestrickt ist. Bist du eher extrovertiert, dann wärst du allein mit deinem Shop auf Dauer womöglich unglücklich, solange du nicht im Team arbeitest oder dich nebenher um soziale Kontakte kümmerst. Bist du eher introvertiert, spielt dir der Online Shop direkt in die Hände und du hast sogar die Möglichkeit, dir gezielte Offline-Momente auszusuchen, in denen du den Kontakt mit deinen Kunden genießen kannst.

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